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Kater Mero hat Diabetes

Kater Mero hat Diabetes

 

Vorab: Ich bin natürlich keine Tierärztin, keine Diabetes-Expertin, sondern auch nur „irgendeine aus dem Internet“. Das hier ist keine Behandlungsanleitung, nur ein Erfahrungsbericht von unserer Situation hier.

tl;dr: Lasst die Zähne eurer Katzen regelmäßig per Dentalröntgen checken; eine Diabetes-Diagnose ist händelbar, man muss sich aber selbst informieren; niemals Insulin geben ohne vorher den Blutzucker zu messen.

„Irgendwas stimmt nicht mit Mero…“ An Weihnachten 2021 machte uns einer der Schnurrberts ein wenig Sorge: Er sah irgendwie dünner aus, hing ständig am Wassernapf und das Katzenklo war quasi ständig fällig, weil es so vollgepieselt war. Außerdem war der kleine Schatz… auffällig unauffällig. Keine Flausen im Kopf, kein besonderes Schmuseverlangen: Er lag ganz oft einfach nur matt im Bett und döste vor sich hin. „Irgendwie komisch.“

Weil man den Fellknäulen keine unnötige Autofahrt zumuten will (weder Gimli noch Mero sind große Autofans…), haben wir uns erstmal für ein „Beobachten der Lage“ entschieden – es standen sowieso Feiertage vor der Tür, da hatten viele Tierärzte geschlossen und viel Trinken ist doch eigentlich gut, oder?

Der Jahreswechsel kam, Mero machte irgendwie wieder einen muntereren Eindruck, hatte auch nicht weiter abgenommen. Vielleicht hatte er ja nur nen Winterblues? Jedenfalls verwarfen wir den Tierarzt-Gedanken schnell wieder, denn Mero war fast wieder der alte, wenn auch ca. 1 kg leichter als zuvor.

Kurze Zeit darauf ging es Mero wieder sichtlich nicht so gut. Sein Fell war irgendwie „speckig“, er war wieder supermatt und lag vermehrt herum und getrunken und gepinkelt wurde wieder wie ein Weltmeister. „Hoffentlich nix mit den Nieren???“ War mein Gedanke. Meros Bruder Gimli hatte 2020 mit Struvitkristallen in der Blase zu kämpfen, gerade jetzt, wenn das Problem gelöst war, fing ein neues an? Was war nur los mit dem Schatz? ☹

 

 

Der Tierarzt muss her

Es half alles nix: Ein Tierarztbesuch war angesagt. Eine liebe Freundin gab mir den Tipp, es mal mit einem mobilen Tierarzt zu versuchen – zumindest würden wir uns damit eine Horrorfahrt mit dem Auto (Meros Worte) sparen. Ein Termin für die Folgewoche wurde vereinbart, Mero ging es unverändert. Nicht wirklich schlecht, aber er war eben nicht er selbst.

Dann endlich kam der Tierarzt, begutachtete den kleinen (inzwischen fast schon mageren) Kerl gründlich – Herztöne super, nix zu ertasten, Ohren sehen super aus, scheint keine Schmerzen zu haben – und nahm ihm dann Blut ab. Dann hieß es erstmal warten: Die Labore seien wie immer überlastet, kann so 2-3 Tage dauern, man würde sich melden. Diesdas.

In der Zwischenzeit befragte ich natürlich Doktor Google. Was könnte es sein? Und natürlich: Von „nix schlimmes“ bis zum „sofortigen Todesurteil“ hätte ich quasi alles reininterpretieren können. Zwei Diagnosen erschienen mir aber, realistisch betrachtet, am wahrscheinlichsten: wirklich was mit den Nieren oder Diabetes.

Aufgrund des Posttitels kann ich jetzt keinen großen Spannungsbogen mehr aufbauen, aber zu dem Zeitpunkt saßen wir noch auf ziemlich heißen Kohlen, während wir auf die Blutergebnisse warteten. Dann war es Freitagabend und mein Telefon klingelte. Und, was ist es? Was hat Mero nun? „Ihre Katze hat Diabetes, das zeigt das Blutbild sehr deutlich. Leberwerte sind auch erhöht, aber das kann auch vom Diabetes sein, Niere ist okay.“

Die Diagnose: Mero hat Katzen-Diabetes

Ich erstmal „Uff, zum Glück sind die Nieren okay“. Aber, Diabetes… das ist nun schon krass. Die Tierärztin sagte mir dann noch, dass sie mir die Blutwerte zuschicken würde und ich mich direkt an eine Tierklinik wenden solle, schließlich sei jetzt Wochenende, und Mero müsse schnellstens Insulin bekommen.

Ich sog alle Infos auf, war aber natürlich auch erstmal geschockt. Zwar hatte ich vorher schon beim Googlen etwas zu Diabetes gelesen, aber natürlich hofft man ja eher darauf, dass beim Anruf rauskommt „Alles gut, Ihr Kater Mero ist der gesündeste 9-jährige Kater, den ich jemals sah und er wird sicher 100 Jahre alt! Tschüss!“

Okay nun, Diabetes. Ich wusste: Das bedeutet Insulin. Spritzen. Tabletten funktionieren beim Stoffwechsel von Katzen nicht. Uff. Spritzen. Ich? Mero? Tut ihm das nicht weh? Ich kann doch kein Blut sehen. Und natürlich auch eher egoistische Gedanken: Kann ich das überhaupt? Was ist denn, wenn ich und Manu mal in den Urlaub fahren wollen? Geht das jetzt überhaupt noch? Aaaaaaah.

Erstmal nen kleinen Meltdown gehabt. Auf der einen Seite war ich froh, irgendwie Gewissheit zu haben, was Mero denn fehlte und wie ich ihm helfen konnte, auf der anderen Seite hatte ich einfach tierische Angst um den kleinen Mann.

Ich wandte mich also wieder an Google, dieses Mal konnte ich ja gezielter recherchieren, fand einige Infoseiten und (jetzt im Nachhinein betrachtet mein und Meros allergrößtes Glück) eine Facebookgruppe, in der sich alles um Katzen mit Diabetes drehte. Ich hab sofort eine Beitrittsanfrage gestellt, die auch super schnell genehmigt wurde. Die Admins und Moderatorinnen sind wirklich toll und haben in der Gruppe direkt schon viele, viele Infos zusammengestellt, die sie im Laufe von vielen Jahren zusammengetragen haben und die auf ihren eigenen Erfahrungen beruhen.

Ich muss wahrscheinlich nicht sagen, dass ich meinen Freitagabend damit verbrachte, jeden Infoguide zu lesen und alle Infos aufzusaugen. Was mich direkt interessierte: Woher kommt Diabetes? Futter? Mero futtert gerne und viel, er war nie fett, aber schon ein bisschen (ja, selbst ich muss das zugeben) moppelig. Waren wir Schuld, dass Mero nun leidet? Falsches Futter? Zu viel Futter? Vorweg: Ja, das Gewicht kann auch eine Rolle spielen, aber daneben gibt es noch eine Vielzahl an weiteren möglichen Auslösern. Denn ein Diabetes ist nix, was einfach so auftritt, es gibt immer eine Ursache, die es nach der Diagnose zu finden gilt. Dazu später mehr.

Kater Mero und Gimli

Es prasselten erstmal super viele Infos auf mich ein. Unter anderem las ich von verschiedenen Insulinsorten, die es gab, dass Tierärzte oft die „schlechtesten“ verschreiben und dass viele Mitglieder aus der Gruppe mit Insulin aus der Humanmedizin große Erfolge feiern und ihre „Diabetiger“ 🐯 (dieses Wort ist inzwischen völlig unironisch in meinen täglichen Sprachgebrauch übergegangen) damit in die Remission gebracht haben. Moment, Remission? Was ist das denn nun? Diabetes ist eine chronische, unheilbare Krankheit. Mero wird also immer Diabetiker, äh, Diabetiger, sein. Es gibt aber die Chance, dass er in eine insulinfreie Phase, die so genannte Remission, kommt. Okay, das klingt super, will ich, wie komm ich da mit Mero denn hin?

Auch dafür gibt es viele Infos in der Gruppe, und hier war ich zum ersten mal etwas zweifelnd. Die Forenmitglieder hatten eine eigene Blutzuckertabelle erstellt, die jedes Gruppenmitglied pflegen sollte, damit alle Blutzuckerwerte einsehbar und protokolliert werden. Moment, Blutzucker? Klar, kennt man ja auch vom Menschen mit Diabetes: Vorm Essen wird in den Finger gepiekst und damit regelmäßig der Blutzucker gemessen. Aber… wie zur Hölle macht man das denn bitte bei Katzen?? Und wie regelmäßig muss man da ran? Ist das WIRKLICH notwendig? (Spoiler: ja)

In der Gruppe las ich, dass die Mitglieder dort mindestens 3, besser öfter pro Tag den Blutzucker ihrer Diabetiger messen. Beim Menschen misst man den Blutzucker ja mit einem kleinen Pieks in den Finger, bei Katzen schnappt man sich den Blutstropfen am besten durch einen Pieks in den Ohrrand. Uff. Also, ich konnte mir zu dem Zeitpunkt beim besten Willen nicht vorstellen, dass Mero das mit sich machen lassen würde. Ins Ohr stechen? MEHRMALS AM TAG??? Wasssss??? 🥺🥺🥺 Naja, erstmal mit nem Tierarzt sprechen, bevor man irgendwelchen Personen aus dem Internet glaubt und sich verrückt macht, oder? Dachte ich.

Ein Besuch in der Tierklinik, ein blödes Bauchgefühl

Noch am selben Abend rief ich bei verschiedenen Tierkliniken in der Umgebung an. Alle vollkommen ausgebucht, wenn sie denn überhaupt am Wochenende geöffnet waren. Klar, sowas passiert natürlich an einem Wochenende. It’s the law.

Ich schrieb noch ein wenig in besagter Facebookgruppe mit einer Gruppenmoderatorin, die mich mit ersten Infos versorgte und mir sagte, worauf ich beim Tierarztbesuch achten sollte. Den Kopf voll mit Infos und Sorgen, aber ohne Tierarzttermin, ging ich erstmal ins Bett. Am nächsten Tag hielt ich es dann nicht mehr aus, schnappte mir die Blutergebnisse und fuhr mit Mero in die Notfallsprechstunde einer Tierklinik hier. Als wir endlich dran waren, schaute sich der Tierarzt die Werte an und meinte nur: „Oh, das sieht sehr schlecht aus, die Werte sind extrem hoch“. JA ACH WAS BOI, DESHALB BIN ICH HIER!

Er verschrieb Mero dann das Insulin „ProZinc“ – davon hatte ich im besagten Forum schon gelesen, das war zwar nicht das schlechteste Insulin auf dem Markt, aber auch keines der beliebtesten aus der Gruppe. Der Arzt sagte mir dann, ich solle 2 Insulineinheiten je morgens und abends spritzen, das so ca. 10 Tage machen und dann wieder in die Klinik kommen, dort wolle man dann ein Tagesprofil anlegen, was bedeutet, Mero verbringt den Tag in der Klinik und sein Blutzucker wird regelmäßig gemessen und damit „auf das Insulin eingestellt“.

Ich hatte mich ja in der Gruppe belesen und fragte den Arzt, warum ich dafür denn in die Klinik kommen müsste, ich könnte es doch viel einfacher zuhause messen – und stressfreier für Mero (Stress treibt den Blutzuckerspiegel hoch und verfälscht Ergebnisse). Da lachte der Tierarzt nur und fragte, wie ich das denn selbst messen wollte, das ginge doch nicht, es sei doch eine Katze??

Nun, zu dem Zeitpunkt war ich mir selbst ja auch nicht so sicher, aber die Menschen im Forum machten das ja augenscheinlich alle? Als ich den Arzt dann weitere Fragen stellte, bzw. ihm von meinem Plan erzählte, Meros Blutzucker selbstständig kontrollieren zu wollen, lachte er nur und winkte ab. Hm. Als ich fragte, wie es denn jetzt weiterginge und welche Ursachen der Diabetes haben könnte, guckte er in seinem Comupter nach und meinte, dass seine sonstigen Werte ja gut aussähen, daher sei keine Ursache festzustellen. „Bekommen ältere Katzen nun mal oft.“

Dann zeigte er mir noch, wie ich Mero das Insulin spritzen sollte und empfahl mir ein Diabetes Trockenfutter. Trockenfutter? In besagter Facebookgruppe warnten die Admins davor, Trockenfutter zu füttern, denn absurderweise sei genau dieses voller Kohlenhydrate, welches den Blutzuckerspiegel hochtreibt und (auch, wenn es draufsteht) alles andere als Diabtikergeeignet.

Internet oder Tierarzt: Wem soll man denn glauben?

Uff, so stand ich dann da mit zwei quasi völlig entgegengesetzten „Behandlungsplänen“. Wem sollte ich denn glauben? Dem Tierarzt, der ja immerhin Tiermedizin studiert hatte? Oder „irgendwelchen Leuten von Facebook“. Puh. Ich bin echt eine Freundin der Wissenschaft und absoluter Vernunftmensch, aber der Tierarzt machte mir einfach ein richtig schlechtes Bauchgefühl. Insulin einfach, ohne vorherige Messung, in den Kater spritzen? Das macht man beim Menschen ja auch nicht. Auch da wird gemessen und je nach Wert die Insulindosis angepasst. Nicht einfach stumpf nach Gewicht. Und der Mensch hat ja auch noch den Vorteil, dass er/sie sagen kann, wenn es ihm/ihr schwindelig wird, weil die Insulindosis zu hoch war und der Blutzucker zu weit absackt. Eine Katze kann das leider nicht. Ist messen da nicht umso wichtiger? 😵

Ich ließ mir also das Insulin mitgeben, lehnte das Trockenfutter aber erstmal ab. In der Facebookgruppe gab es eine Futterliste mit geeignetem Diabetikerfutter und das Futter, das wir sowieso schon fütterten, war „zufällig“ auch direkt schon geeignet, daher war das ja prima, warum also umstellen.

Auf dem Heimweg überlegte ich also hin und her. Das, was ich „in dieser Gruppe“ so las, erschien mir viel, viel schlüssiger als das, was mir der Tierarzt gerade gesagt hatte.

Klar, die „Internet-Version“ klang super aufwändig: Mehrmals am Tag den Blutzuckerwert messen, Trockenfutter nicht mehr zur ständigen Verfügung stehen lassen (also, gar nicht mehr geben), das Nassfutter strikt abwiegen und am besten nicht nur 2x sondern 4x oder öfter am Tag portioniert zur Verfügung stellen und mit einer Mini-Insulindosis starten und sich dann ggf. „hocharbeiten“, wenn die Werte nicht gut genug sanken. Ja, das klang nach scheiße viel Arbeit.

Nicht falsch verstehen: Die Schnurrberts sind mir jeden Aufwand (zeitlich wie monetär) Wert. Aber hier standen wir nun und mussten entscheiden, ob wir einem ausgebildeten Tierarzt – und einem sehr einfachen Behandlungsplan: Futter quasi wie immer und 2x pro Tag Insulinspritzen – vs. der mir sehr aufwändig bis unmöglich erscheinenden Mammutaufgabe aus dem Internet vertrauen sollte.

Und: Ich hab mich für die Ladies aus dem Internet entschieden. Und ich bin so, so froh. Ich denke nicht, dass Mero noch am Leben wäre, wenn ich, wie vom Tierarzt empfohlen, einfach blind 2 Einheiten (ich weiß jetzt: das ist sehr, sehr viel) gespritzt und seinen Blutzucker nicht regelmäßig kontrolliert hätte.

Was da schon passieren kann, wenn man viel zu viel Insulin in so einen kleinen Katzenkörper spritzt? Unterzuckerung, Zuckerschock, bis hin zum Tod. Ja, Katzen (und Menschen auch, aber die können Warnzeichen wie Schwindel oder Übelkeit eben klar KOMMUNIZIEREN) können deshalb sterben. Und ich habe inzwischen schon viele Horrorgeschichten gelesen. Von Katzenbesitzern, die versehentlich (oder auf Anweisung des Arztes) zu viel Insulin spritzten, abends fröhlich ins Bett gehen, Nachts bekommt die Miez nen Zuckerschock, keiner merkts und am morgen ist es dann oft zu spät.

Also war unsere Aufgabe klar: Wir mussten Mero ans regelmäßige Blutzuckermessen gewöhnen. Ich machte einen kleinen Abstecher in eine Apotheke und beschaffte mir erstmal eine Diabetiker-Erstausrüstung: Spritzen fürs Insulin, Blutlanzetten und Stechhilfe für die Blutgewinnung sowie ein Blutzuckermessgerät (eines für Menschen übrigens, es gibt auch welche speziell für Tiere, aber laut Facebook sind die halb so genau und doppelt so teuer).

So behandeln wir Meros Diabetes

Und ich will nix schönreden: Die ersten Messungen waren echt nicht ohne. Mero fand es natürlich gar nicht schön, ins Ohr gepiekst zu werden. Und am Anfang war auch nicht jeder Schuss ein Treffer… Phasenweise sahen die Öhrlis ganz schön lädiert aus…

Auch Manu und ich mussten erst die richtige Technik lernen (Öhrchen vorher ganz lange warmkraulen und nach dem Pieks ganz viele Küsse auf den Katzenkopf verteilen zum Beispiel!), aber wir haben es direkt hinbekommen und konnten ohne größere Probleme oder Proteste seitens Mero den Blutzuckerwert im Auge behalten.

Diabetes-Ausrüstung für Mero
Diabetes-Ausrüstung für Mero. (Für die Diabetes-Kenner: ProZinc ist ein U-40-Insulin, wir rechnen es aber für eine feinere Dosierung für U-100 Spritzen um)

Die Insulinspritze selbst ist übrigens gar kein Problem. Die Nadel ist so dünn, dass Mero da nicht mal zuckt. Und irgendwie glaube ich, dass er merkt, dass es ihm nach der Spritze besser geht. Prove me wrong. Auch die erste Insulindosis reduzierten wir, und gaben nicht die vom Tierarzt empfohlenen 2 Einheiten, auch wenn wir da rückblickend noch immer mit viel zu viel gestartet sind. Trotzdem waren wir nach wenigen Tagen schon in einem „gesunden“ Blutzuckerwert-Bereich. Auf anraten der FB Gruppe haben wir die Dosis dann immer weiter reduziert, wenn der Wert unter eine bestimmte Schwelle fiel. Und so arbeiteten wir uns immer weiter vor. Unser Tagesablauf sieht seitdem wie folgt aus:

  • 🔍🍗 6 Uhr: Blutzuckermessung und erstes Frühstück
  • 💉6:30 Uhr: Uhr Insulinspritze
  • 🍗9:30 Uhr: zweites Frühstück
  • 🔍12 Uhr: Blutzuckermessung
  • 🔍🍗18 Uhr: Blutzuckermessung und erstes Abendessen
  • 💉18:30 Uhr: Insulinspritze
  • 🍗22 Uhr: Gutenacht-Snack

Zu Beginn haben wir noch öfter gemessen (meist noch einmal abends, vor dem Gutenacht-Snack), inzwischen ist Meros Wert so „vorhersehbar“, dass wir ihm (und uns) eine vierte Messung am Tag ersparen. Alle Werte protokollieren wir in einer ausgeklügelten Google Tabelle, die ich nach einer Vorlage aus der Katzen mit Diabetes-Gruppe erstellt hab:

Mero Diabetestabelle: Sieht kompliziert aus, hilft aber ungemein!

Die Messungen vor den beiden Insulingaben sind aber ein immer absolutes Muss: Keine Spritze ohne Messung!

Auch wir haben immer mal den Fall, dass Meros Werte zum Spritzzeitpunkt so gut (also niedrig) waren, dass ihn eine normale Dosis Insulin knallhart in den Unterzucker (mit der Gefahr eines Zuckerschocks) hätte stürzen können. Ist es mal so, dass Mero zum Spritzzeitpunkt „zu gute“ Werte hat, dann müssen wir in regelmäßigen Abständen nach dem Essen nachmessen, ob sich der Wert über die „magische Grenze“ von 150  steigert und dann verspätet, mit reduzierter Dosis nachspritzen. Passiert das mehrmals hintereinander, dann wird die reguläre Insulindosis reduziert. So senkt man den Insulinbedarf im besten Fall immer weiter, bis der Patient irgendwann dauerhaft ohne Insulin auskommt und fortan ein Insulinfreies Leben in oben schon mal erwähnter Remission führen kann. Leider schaffen es nicht alle Katzen in die Remission. Bei manchen schlägt das Insulin nicht richtig an, bei manchen wird die Ursache nicht gefunden, manchmal hat man einfach Pech.

Was Zähne mit Katzendiabetes zu tun haben

Apropos Ursache! Die war bei Mero ja auch noch unklar. Der Tierarzt hatte ja recht wenig Enthusiasmus gezeigt, die Ursache zu finden, aber in der lebensrettenden Gruppe fand sich eine ganze Liste an Möglichkeiten. Wir konnten alle soweit ausschließen (Kortison z.B. hatte Mero noch nie bekommen, seine Niere war ebenfalls in Ordnung…), aber bei einem Punkt wurde ich hellhörig: FORL.

FORL steht für „Feline odontoklastische resorptive Läsionen“ und ist eine bei Katzen sehr verbreitete Zahnkrankheit. Das Fiese: Mensch kann es von außen nicht (bzw. nur im absoluten Endstadium) sehen und selbst die strahlend weißesten Zähnchen können betroffen sein.

Und: Die Katze leidet richtig schlimme Schmerzen. Die Zähne der Katze lösen sich quasi von der Wurzel her und von Innen heraus auf. Das klingt nicht nur schmerzhaft, das ist es auch. Aber weil Katzen so gut darin sind, Schmerzen zu verbergen und die Krankheit von außen nicht sichtbar ist, bleibt die Krankheit (deren Ursprung bis heute nicht geklärt ist) oft unentdeckt.

Was erschreckend ist, denn je nach Studie betrifft FORL jede 2-3 Katze ab 5 Jahren. STELLT EUCH DAS MAL VOR!!!!!! Habt ihr mehrere Katzen über 5 Jahre, dann ist es sehr, sehr wahrscheinlich, dass eine davon gerade üble Zahnschmerzen hat. Wtf.

Besonders hellhörig wurde ich bei der Beschreibung von FORL: Meist leiden die Katzen schon jahrelang stumm vor sich hin. Manche äußern sich aber in Aggressionen gegenüber Miezbewohnern. Moment, was??

Aggro-Schnurrberts: Als sie sich vor 3 Jahren plötzlich nicht mehr leiden konnten

Vor 3 Jahren (hab hier und hier schon mal darüber geschrieben) geschah es plötzlich, dass sich die Schnurrberts nicht mehr so richtig leiden konnten. Mero war mit einem Mal richtig aggressiv Gimli gegenüber. Damals konnten wir uns das nicht erklären. Wir ließen beide von mehreren Tierärzten durchchecken („Alles bestens“) und hatten sogar eine Katzenpsychologin im Haus (WTF), unter deren Anleitung wir eine 6-wöchige Wiederzusammenführung durchführten, mit nur mäßigem Erfolg. Wir sind sogar in eine größere Wohnung gezogen, weil wir befürchteten, die beiden Wohnungskater hätten vielleicht zu wenig Platz?

Mit der neuen Wohnung wurden die Aggressionen zwischen den beiden tatsächlich besser und wir legten den Fall „zu den Akten“. „Dann können sie sich halt nicht mehr so richtig leiden??“ war unsere lame Erklärung, was uns aber immer komisch vorkam, denn manchmal lagen die beiden auch wie ein Herz und eine Seele nebeneinander, putzten sich süß und heckten zusammen Unfug aus, nur um im nächsten Moment bis aufs Blut gegeneinander zu kämpfen, was immer von Mero aus ging.

Und nun las ich also, drei verdammte Jahre später, dass mein Kater diese ganze Zeit über eventuell höllische Zahnschmerzen hatte???? Womöglich schon jahrelang?? Holy fuck, warum kam mir das nie in den Sinn und (viel dringender) warum hatte mich keiner der Tierärzte darauf hingewiesen?? Ein einfaches „könnte auch was mit den Zähnen sein?“ hätte ja gereicht. Aber so ging ich davon aus, dass Meros Zähne (optisch tip top) natürlich nix mit seinen Aggressionen zu tun haben könnten. Von FORL hatte ich bis dato auch noch nie gehört. Funfact: Jetzt lese und höre ich davon natürlich quasi überall.

Ab geht’s zum Katzen-Zahnarzt

Nun gut.  Zurück zum Diabetes. Inzwischen waren wir mit Mero über einen Monat „an der Nadel“, das tägliche Messen und Spritzen wurde zur Routine und wir hatten die ursprüngliche Insulindosis schon mehr als halbieren können. YES!

Das Zahnthema war aber natürlich weiterhin aktuell und so machte ich einen Termin bei einem Tierzahnarzt (ja, gibt es) aus und fuhr mit Mero (Horrorautofahrt) zu seinem Zahnarzttermin. Ich hatte schon gelesen, dass eine eindeutige Diagnose nur mit Dentalröntgen unter Vollnarkose möglich war, davor hatte ich tierische Angst.

Aber nun gut, erstmal zur Voruntersuchung. Und ja, die Zahnärztin war sehr lieb und schaute sich Meros Gebiss genau an, und konnte an einigen Zähnen leider schon sehr verdächtige Hinweise feststellen, dass FORL am Start ist. 😔

Dentalröntgen musste also auf jeden Fall sein. Da Mero nunmal Diabetiker ist, musste der Termin direkt morgens als erster Termin des Tages stattfinden. Denn für eine Vollnarkose muss der Patient natürlich möglichst nüchtern sein, das geht mit einem Diabetiger natürlich nicht und auch die regulären Spritzzeiten müssen auf die Narkose abgestimmt sein. Nunja, lange Rede kurz erzählt: Wegen all diesen Dingen, genereller Überlastung der Tierärzte, Corona und Co. sollte Meros Termin ganze 1,5 Monate in der Zukunft liegen. Uff. Hätte ihn mir schneller gewünscht, aber zeitgleich hatte ich auch sehr viel Angst davor.

Denn, das hatte ich gelesen, von FORL betroffene Zähne müssen komplett raus. Also nix mit „bissi Karies wegbohren“ wie bei uns, nene. Einmal betroffen sind die Zähne nicht mehr zu retten und ein ständiger Entzündungsherd. Ein gefundenes Fressen für den Diabetes (und Schmerzen für Mero, klar).

Der große Tag: Meros Zahn-OP

1,5 Monate später, am 1. Juni war es dann endlich soweit. Meros große OP stand an. Noch war nicht klar, wie viele Zähnchen würden rausmüssen. Inzwischen lief unsere „normale“ Diabetesbehandlung weiter: Messen, Fressen, Spritzen, mit der Zeit ggf. die Insulindosis immer weiter runterschrauben, sodass wir inzwischen auf weniger als ¼ der ursprünglichen Dosis angelangt waren, yay! Remission, bist du etwa in Sichtweiteeee?

Nun gut. Der große Tag kam. Wir brachten Mero unter lauten Protesten zur Zahnarztklinik und gaben den kleinen Schatz ab. Die Zahnärztin sagte, sie würde anrufen, sobald die Röntgenaufnahmen da wären, um die weitere Behandlung abzusprechen.

Kater Mero in Katzen-Transportbox
Da saß man noch freiwillig in der Box…

Und so wartete ich, mit ständigem Blick auf mein Handy, auf den Anruf. Und der kam auch: 13 Zähnchen (DREIZEHN) inklusive der vier Fangzähne waren betroffen. Katzen haben insgesamt 30 Zähne, falls du dich das fragtest (ich musste googlen).

Uff, 13 Zähne sollten dem armen Schatz also gezogen werden. 13 Zähne bereiteten ihm womöglich schon jahrelang Schmerzen. Und wir dummen Menschen haben es nicht geschnallt. Da wäre ich an seiner Stelle auch wütend geworden und hätte aus Verzweiflung Stress mit meinem Katzenbruder angefangen. ✨ It all makes sense now. ✨

Die OP dauerte dann 3 Stunden, dann kam der erlösende Anruf: Mero hatte alles gut überstanden und wollte schnellstens wieder abgeholt werden, man war nämlich schon „erstaunlich wach und hätte wenig Lust auf die Transportbox“. 🤨

Schnell wie der Wind also den kleinen zahnlosen Tiger abgeholt (der sich trotz Restnarkose natürlich trotzdem im Auto lautstark beschwerte) und nach Hause geholt. Dort angekommen kam er dann aus der Box gewankt. Uff, ganz schön geschwollen sah das Mündchen aus. ;_; Aber alles ist besser als Zahnschmerzen, oder?

Kater Mero nach der Zahn-OP mit leicht geöffnetem und geschwollenem Mündchen
Nach der OP: Erschöpft, aber ohne Zahnschmerzen ❤

Mero jedenfalls schien natürlich erstmal fertig zu sein. Na klar, wär ich auch. Aber (und ja, könnt mich jetzt wieder für verrückt erklären) auch erheblich entspannter. Und das lag nicht an den Narkose-Drugs. Dieser Eindruck bestätigte sich in den nächsten Tagen: Mero wirkte…. entspannt. So entspannt, dass vielleicht dadurch sein Insulinbedarf auf fast Null fiel. Ich dachte schon „OMG DIREKTE FAHRT IN DIE REMISSION????“, aber die Hoffnung zerschlug sich, als wir die Schmerzmittel nach einer Woche absetzten und die Werte wieder schlechter wurden und wir wieder back im Insulingame waren.

Aber klar, die Wunden im Mund brauchen Zeit zu heilen. Aber sie heilten gut, das hat auch ein Kontrolltermin gezeigt. Endlich keine Zahnschmerzen mehr, omg ich bin so glücklich!!

Wie geht es Mero denn inzwischen?

Inzwischen haben sich die Fäden aufgelöst, die Wunden sind gut verheilt. Das Insulin konnten wir bisher auch schon wieder etwas weiter reduzieren und wir sind in einer sehr stabilen Phase. Manchmal gibt es noch immer Streit zwischen den Schnurrberts, aber keine blutigen Beißereien mehr, wie zuvor. Ich hab eher das Gefühl, dass es nun brüderliche Kabbeleien sind, und auch Gimli mal den austeilenden Part übernimmt. So sollte es unter Katzenbrüdern doch auch sein, oder?

Keine Ahnung, ob wir die Remission noch erreichen oder wir jetzt schon im Diabetes-Endgame sind. Ich wünsche es mir natürlich weiterhin, aber auch der jetzige Status ist schon der Hammer: Mero ist ein vorbildlicher Patient, seine Blutzuckerwerte sind meistens stabil, er hat keine Zahnschmerzen mehr und Gimli wird nicht mehr gemobbt.

Remission also weiterhin ein Wunsch, aber auch jetzt schon haben wir so viel gewonnen. <3

Zum Abschluss noch ein Wort zu den Tierärzten: Ja, ich bin ehrlich schockiert, dass ich beim Thema Diabetes so schlecht beraten wurde. Aber – wir erwarten ja auch von Menschenärzten nicht, dass eine einzige Person alle Fachrichtungen perfekt beherrscht. Ein Chirurg ist kein Zahnarzt, ein Neurologe kein Augenarzt. Ich bin einfach nur heilfroh, dass ich die schon oft erwähnte Facebookgruppe gefunden habe und auf die Infos dort vertraut hab. Das soll aber natürlich hier kein Aufruf a la „glaubt alles blind, was ihr im Internet lest!!!“ werden.

Aber, mein Appell: Informiert euch mit gesundem Menschenverstand und hinterfragt Dinge. Alles. Beim Tierarzt, aber genauso in Foren und auf Websites. Und: Lasst die Zähne eurer Miezen kontrollieren – per Dentalröntgen. Nit „einfach nur gucken.“ Nur damit kann FORL zuverlässig entdeckt und Schmerzen erspart werden. Nochmal: Zähne können von außen wunderbar weiß aussehen und sich innen dennoch auflösen. Das hat nichts mit eurem Futter zu tun – FORL ist eine Autoimmunerkrankung mit ungeklärter Ursache. Und neben Zahnschmerzen kann die Krankheit eben auch Diabetes verursachen. Beides nicht gut. Aber behandelbar.

Kater Mero und Jenni

Danke fürs Lesen! ❤
(Und süße Grüße vom Diabetiger)

5 Kommentare

  1. Kato
    5 Monaten vor

    Was für ein wilder Ritt ;_; so gut dass der kleine Diabetiger literally die beste Katzenmama der Welt hat <3

  2. Lisa Tihanyi
    5 Monaten vor

    Voll interessant zu lesen – und was für eine Achterbahnfahrt. Armer kleiner Diabetiger-Schatz ist zum Glück in den ALLERBESTEN Händen 💘 Das Spreadsheet fasziniert mich sehr!

  3. 5 Monaten vor

    Puuh, da war ja echt einiges los… der Arme! Das mit den Zähnen klingt ja auch echt mega gruselig…
    Wie schön, dass er bei euch ist und ihr euch so gut um ihn kümmert.

    Ich muss an meine eigene Diabeteserfahrungen (2x Gestationsdiabetes während den Schwangerschaften, seitdem zum Glück bisher Ruhe) denken, da kommt mir so einiges bekannt vor. Auch, dass die besten – teilweise auch echt verlässlicheren und hilfreicheren – Infos aus Facebookgruppen kamen. Wild!!

    Alles alles Gute weiterhin! <3

  4. Kathrin
    5 Monaten vor

    Wow, das hat sich fast wie eine Detektivstory gelesen, weil ihr so viel selbst herausfinden musstet und sogar mit Ereignissen aus der Vergangenheit verknüpfen konntet. Ich hoffe Mersbert geht es weiterhin besser und er schafft es noch in die Remission. Finde auch die Unterstützung der FB Gruppe mega!!

  5. […] 🐱 Meros Diabetestracker (auch eine Google Tabelle) […]

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Wer schreibt hier?

Ich bin Jenni, 32, mag Schweine und wohne zusammen mit meinen beiden frechen Katern, den Schnurrberts, seit einigen Jahren im schönen Düsseldorf. Hier auf KuneCoco blogge ich seit 2012.

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